Wo Teiche Geschichten erzählen

Mitten in der Heide verbergen sich stille Wasserflächen mit einer überraschenden Vergangenheit. Was nach unberührter Natur aussieht, war einst eine überlebenswichtige Nutzfläche für die Insulaner. Heute sind die ehemaligen Eisteiche wertvolle Rückzugsorte für seltene Tiere und Pflanzen. Doch welche Geschichten stecken noch in diesen stillen Gewässern?

Die Nationalparkrangerin erzählt:
„Wenn man sich hier umschaut, wirkt alles ganz ruhig und unberührt. Was du vor deinen Augen siehst, hat aber eine lange Geschichte. Einerseits die Bombentrichter als Zeugen des 2. Weltkrieges, und andererseits die ehemaligen Eisteiche, von denen es früher
stolze vierzehn gab.
Angelegt wurden diese ab etwa 1890, lange bevor es Kühlschränke auf der Insel gab. Damals war Eis ein wertvoller Schatz. Im Winter, wenn es richtig kalt wurde, schnitt man Natureisblöcke aus den gefrorenen Teichen. Mit Pferdewagen wurde es zu den Hotels, den Schlachtern oder den Bierverlegern gebracht und in Eiskellern gelagert. So konnte man Fisch, Fleisch oder Getränke auch im Sommer kühl halten. Heute kaum vorstellbar, oder?
Zum letzten Mal wurde hier im Winter 1952/53 Eis gewonnen. Dann kamen die Kühlschränke auf die Insel und die Eisteiche verloren ihre ursprüngliche Aufgabe. Aber verschwunden sind sie nicht. Im Gegenteil. Heute sind sie wertvolle Lebensräume mitten im größten Besenheidegebiet der Ostfriesischen Inseln. Hier fühlen sich seltene Pflanzen wie der unscheinbare Strandling und Tiere wie die Kreuzkröte wohl.
Damit das auch so bleibt, wird hier sehr viel für den Naturschutz getan. Fremde Pflanzenarten breiten sich immer wieder aus und verdrängen heimische Pflanzen. Deshalb werden sie regelmäßig entfernt, damit die ursprüngliche Heidevegetation erhalten bleibt. Früher war es für die Insulaner überlebenswichtig, die Natur für sich zu nutzen. Heute ist es ebenso wichtig, sie zu schützen. Als Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer steht dieses Gebiet so wie die ganze Insel unter Schutz. Was einst der Versorgung der Menschen diente, ist nun ein wertvoller Rückzugsort für heimische Pflanzen und Tiere.“

Home