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Der Austernfischer ist die Symbolart der Gemeinde Wangerooge, Landkreis Friesland, im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Mit seiner markanten schwarzweißen Zeichnung, dem langen orangeroten Schnabel und den roten Beinen gehört der Austernfischer Haematopus ostralegus zu den auffälligsten Watvögeln im nördlichen Europa. Sein lebhaftes Verhalten und sein durchdringender Ruf tragen dazu bei, dass ihn keiner übersehen oder überhören kann. Austernfischer sind das ganze Jahr über im Wattenmeer anwesend und besonders außerhalb der Brutzeit sehr gesellig. Dann kann man sie oft in riesigen Trupps mit mehreren tausend Tieren auf ihren Hochwasserrastplätzen versammelt sehen.
Im Frühjahr bieten Austernfischer ein ganz merkwürdiges Schauspiel: vor allem Männchen schreiten gruppenweise mit gesenkten Köpfen umher und lassen mit vibrierenden Schnäbeln ein langgezogenes, sich steigerndes Trillern hören. Diese "Trillerturniere" bekommt man auf Wangerooge während der Brutzeit oft schon gleich auf der Fahrt mit der Inselbahn im Westaußengroden geboten.

Auf Wangerooge brütet der Austernfischer mit ca. 300 Brutpaaren, das sind annähernd 3% des gesamten niedersächsischen Brutbestandes. Nachdem dieser wattenmeerweit bis in die 1990er Jahre zugenommen hat, zeichnet sich nun ein Bestandsrückgang ab. Er begann in den Niederlanden und ist mittlerweile im gesamten Wattenmeer zu beobachten.

Austernfischer brüten einzeln in flach ausgeformten Mulden in offenem, nahezu vegetationslosem Gelände - vor allem auf Sand- und Kiesstränden, auf Muschelschill, in Dünen und Salzwiesen. Auch im Binnenland sind sie auf Grünland und Äckern als Brutvögel anzutreffen. Selbst auf Flachdächern brüten sie manchmal, was ihre besondere Anpassungsfähigkeit unterstreicht, denn hier müssen die Küken, die eigentlich Nestflüchter sind, bis zum Flüggewerden gefüttert werden. Austernfischer sind sehr brutplatztreu. Wenn sie einen guten Platz ergattert haben, behalten sie den ein Leben lang bei. Das kann lang sein, denn Austernfischer werden über 45 Jahre alt, wie Funde von beringten Vögeln belegen. Auch die Partnerbindung ist sehr ausgeprägt. Es wurden "Ehen" nachgewiesen, die über 20 Jahre hielten. Dafür werden sie erst im 3. bis 5. Lebensjahr geschlechtsreif und es kann noch länger dauern bis sie einen Partner und einen guten Brutplatz gefunden haben.
Die Nestmulde wird spärlich mit Muscheln oder Pflanzenteilen ausgekleidet. Ein Gelege enthält vier Eier. Die Hauptlegezeit ist im Mai, die Küken schlüpfen nach etwa 25 Tagen. Sie verlassen sofort das Nest, bleiben aber noch einige Tage in Nestnähe, wo sie gefüttert und gehudert werden. Die Dauer der Fütterungsperiode dauert etwa 5 Wochen. Dann sind die Jungen flügge und die Familie löst sich auf.

Ihren kräftigen Schnabel können Austernfischer sehr vielseitig einsetzen. Sie können damit im Boden stochern, obere Bodenschichten regelrecht durchpflügen, sie können Muscheln seitlich hämmernd aufklopfen oder in ihre leicht geöffnete Schale einstechen. Entsprechend vielseitig ist auch die Ernährung. Im Watt fressen Austernfischer Muscheln, Schnecken, Krebse, Würmer und ab und zu auch kleine Fische, im Binnenland Regenwürmer und Insekten. Austern stehen allerdings bei uns im Wattenmeer bislang nicht auf ihrem Speiseplan. Das mag vielleicht daran liegen, dass unsere einheimische Auster vor einiger Zeit ausgestorben ist und die neu eingeschleppte Pazifische Auster sich erst seit ein paar Jahren im Wattenmeer etabliert hat. Vielleicht müssen die Austernfischer erst wieder lernen, wie sie Austern nutzen können

Nach der Brutzeit treffen Austernfischer aus ganz Nordwest-Europa im Wattenmeer ein, die höchsten Zahlen werden im August und Januar erreicht. Nahezu die Hälfte der gesamten nordwesteuropäischen Population überwintert im Wattenmeer. In extremen Eiswintern erleiden sie allerdings hohe Verluste. In Niedersachsen erreichten Austernfischer in den letzten Jahren durchschnittliche Tageshöchstwerte von ca. 120.000 Individuen. Jedoch sind auch die Rastbestände im Wattenmeer rückläufig.


Austernfischer auf Wangerooge
Nicht umsonst ist Johann, der Austernfischer, das "Maskottchen" des Nationalpark-Hauses Wangerooge. Er ist überall und das ganze Jahr über auf der Insel anzutreffen.
Auf Wangerooge brütet der Austernfischer vor allem in den Außengroden, aber auch in den Dünen. Noch 1925 betrug die Inselpopulation nur ca. 10 Paare. Schutzmaßnahmen begünstigten die Brutmöglichkeiten und Mitte des letzten Jahrhunderts brüteten bereits über 150 Paare auf Wangerooge. Mitte der 1980er Jahre wurden über 400 Brutpaare auf der Insel ermittelt, seit Ende der 1990er Jahre hat sich der Bestand bei 250 - 300 Paaren eingependelt.
Besonders eindrucksvoll sind die riesigen Rasttrupps mit vielen tausend Vögeln im Frühjahr und im Herbst. Aber auch im Sommer finden sich oft große Trupps mit 500 bis 1.000 Individuen von Nichtbrütern ein. In den Wintermonaten rasten zwischen 2.000 und 8.000, in kalten Wintern auch über 10.000 Austernfischer auf Wangerooge. Während der Hochwasserzeit versammeln sich die Austernfischer auf ihren Rastplätzen, um zu ruhen und sich zu putzen. Von den Deichen der Insel aus lassen sich die Vögel dann besonders gut mit dem Fernglas beobachten.

Im Nationalpark-Haus und auf den ornithologischen Führungen des Mellumrates kann man mehr über den Austernfischer und die anderen Brut- und Rastvögel des Wattenmeeres erfahren.